ADAC Wiking Rallye

Erneuerter Schriftsatz von Gerhard Kannenberg (AC-Sportleiter von 1975-1983) im März 2007
Rückblick auf 10 Jahre ADAC Wiking Rallye des Automobilclubs Schleswig.
Im sportlichen Clubleben des Automobilclubs Schleswig von 1923 e.V. im ADAC waren die 70-ger und 80-ger Jahre, die Jahre, in denen die vielfältigsten sportlichen Aktivitäten statt fanden. Das betraf sowohl die Teilnahme als auch die Ausrichtung der unterschiedlichsten Veranstaltungen.

Wurde 1970 der 1. ADAC Wiking Kurs aus der Taufe gehoben, folgte 1973 als Herausforderung und absolutes, motorsportliches Highlight des AC Schleswig die 1. ADAC Wiking Rallye. Hingewiesen sei auf die Tatsache, dass diese Rallye und alle folgenden zum großen Teil nachts gefahren wurden und die Siegerehrungen immer erst am Folgetag vorgenommen werden konnten.

Von den heutigen digitalen Errungenschaften meilenweit entfernt, war die Erstellung der Fahrtunterlagen Handarbeit in Reinkultur. Hierzu zählte über Jahre insbesondere das Bordbuch, für das Ulrich Lorenzen verantwortlich zeichnete und das mehr als nur Fleißarbeit war. Darüber hinaus war Uli auch Fahrtsekretär, Fahrerverbindungsmann und eine feste Größe im Organisationsteam. Sämtliche Unterlagen wurden nach dem Kopieren ( über Tage und viele Stunden ) von Hand gesammelt, geheftet, geprüft und eingetütet. Und dennoch hat es allen Beteiligten richtig Spaß gemacht.

Das Einholen der Genehmigungen und das Erfüllen von Auflagen war in jedem Falle wesentlich leichter als heute. Wenn Elke Petersen als junge und attraktive Frau und Otto Raup als seriöser, gestandener Mann ihre "Kundschaft" ( die Bürgermeister ) aufsuchten, durften sie meistens die unterschriebene und gesiegelte Genehmigung gleich mitnehmen. Auch die Unterstützung durch die Firmen war wesentlich effektiver und erlaubte erst die Durchführung der Rallye.

Fahrtleiter der 1. bis 4. ADAC Wiking Rallye war unser Clubmitglied Olaf Petersen, der in dieser Zeit auch ein ergfolgreicher aktiver Rallyefahrer war. Insbesondere die mehrmalige Teilnahme an der Rallye Baltic über 3000 km ; später 1500 km von Kopenhagen über Schweden waren unvergessliche Erlebnisse . Ihm zur Seite standen die Rallye-Sekretäre Peter Stakelbeck ( Stackl ) und Claus Soltau. Bei Olaf in der "Eiche" im Stadtweg in Schleswig war das "Rallye-Zentrum", das danach dann in unser Clublokal - das Hotel Ruhekrug - verlegt wurde. Hier traf man sich, um die vielfältigen Aufgaben bei der Vorbereitung einer Rallye wahrzunehmen. "Kiebitze" hatten keinen Zugang, lief doch die Angelegenheit unter > STRENG GEHEIM <.
Bei der 1. ADAC Wiking Rallye, die aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des AC Schleswig durchgeführt wurde, gingen 56 Teams u.a. aus Koblenz, Berlin, Hildesheim, Hamburg und aus dem hiesigen Umfeld an den Start. Am Sonnabend um 19.01 Uhr schickte der Schirmherr und Bürgermeister der Stadt Schleswig, Herr Dr. Kugler ( † ), unter Hunderten von Zuschauern auf dem Schloßplatz - Schloß Gottorf das 1. Fahrzeug über die Startrampe auf die 450 km lange Fahrtstrecke. Schon auf der 1. Sonderprüfung - Sandbahn in Jübek - gab es die ersten technischen Ausfälle, so dass schließlich nur 38 Teams am Sonntag gegen 03.00 Uhr das Ziel in Wertung erreichten. Die Siegerehrung mit der Auszeichnung von Siegern und Platzierten im Hotel Ruhekrug Uhr nahmen Bürgermeister Dr. Kugler, AC-Vorsitzender Klaus Becker und Sportleiter Ernst Kleinwort am Sonntag gegen 10.00 Uhr vor. Als erste Sieger dieser Rallye wurden Gunter Kramer und Holger Löhndorfer aus Hamburg , die einen Ford Capri RS an den Start brachten, mit den Siegerpokalen und einer Siegprämie von DM 500,00 ausgezeichnet.

Ab der 5. ADAC Wiking Rallye 1977 übernahmen Claus Soltau ( † 1986 ) als Fahrtleiter und Gerhard Kannenberg als Sportleiter des AC Schleswig und stellv. Fahrtleiter mit großer Unterstützung der AC-Mannschaft die Geschicke der folgenden Wiking Rallyes. Stets steigende Starterzahlen in den Folgejahren - 100 und mehr Teams - , die Zuerkennung von regionalen und überregionalen Prädikaten waren Ausdruck dafür, dass sich die Wiking Rallye einen festen Platz im Rallye-Termin-Kalender durch ausgezeichnete Organisation und anspruchsvolle und selektive Wertungsprüfungen erarbeitet hatte. Hier seien nur einige genannt: der Rundkurs in Arup, die gefürchteten Plattenwege der WP's in Bergenhusen und Wohlde, die WP´s Jerrishoe, Ringsberg und Hürup, Lottorf, Loit und Silberstedt ( Kolbenfresser garantiert) sowie die Bw-Übungsplätze in Putlos, Langwedel, Boostedt und Langsee. 11 bis 23 Wertungsprüfungen je Veranstaltung ( das waren noch Zeiten !! ) waren Spaß und Herausforderung für Teilnehmer, Zuschauer und Helfer gleichermaßen.

Da waren sich Teilnehmer und Offizielle einig: Die 5. ADAC Wiking Rallye 1977 war wohl die beste, die bisher durchgeführt wurde. Als am 12. März 1977 der Schleswiger Bürgermeister, Heinz Bartheidel (†), der gleichzeitig Schirmherr der Veranstaltung war, den 1. Teilnehmer in der Ladenstraße in Schleswig vor dem Kaufhaus Karstadt auf die Strecke schickte, warteten weitere 106 Teams auf das in Minutenabständen gegebene Startkommando. Für die vielen interessierten Zuschauer war es ein Erlebnis, den Fahrern und Fahrzeugen so nahe zu sein.
410 km Gesamtstreckenlänge mit 20 anspruchsvollen Wertungsprüfungen waren möglichst schnell und unfallfrei zu absolvieren. Erschwert wurde die ganze Sache noch dadurch, dass starker Nebel einsetzte und teilweise die Orientierung stark beeinträchtigte. Neben anderen Startern, die aus technischen Gründen ausfielen, erwischte es auch die Vorjahressieger Rolf Petersen/Jürgen Wachholz, die die Rallye vorzeitig beenden mussten. Am besten kam mit den Widrigkeiten des Wetters das Team Maas/Binias auf ihrem BMW 2002 Alpina zurecht und holte sich den Gesamtsieg. Aus den Händen von Bürgervorsteher Günter Hansen erhielten Martin Maas/Klaus Binias aus Neustadt bzw. Süsdel am frühen Morgen im Hotel Ruhekrug die Siegerpokale.

Auch die 6. ADAC Wiking Rallye am 11. März 1978 wurde in der Schleswiger Ladenstraße durch Bürgermeister Heinz Bartheidel (†) gestartet. Eine Besonderheit war, dass 5 Porsche das Starterfeld anführten! Für die vielen Zuschauer eine Gelegenheit,sich dieses Rallyeauto genauer anzusehen. Porsche war uns ist auch heute noch der Innbegriff eines Sportwagens der Extraklasse.

Mit der Startnummer 1 gingen Rolf Petersen und Andre Bockelmann auf ihrem Porsche Carrera von der Startrampe. Den Ausfall des Vorjahres wollte das Team vergessen machen. Unter äußerst schwierigen Str aßenverhältnissen und aufziehendem Nebel im Kreis Nordfriesland war die Ausfallquote recht hoch. Rolf Petersen aus Osterrönfeld und Andre Bockelmann aus Lübeck jedoch hielten ihr Fahrzeug auf der Straße, waren zudem noch schnell und sicherten sich den Gesamtsieg.

Im Jahr 1979 fand keine ADAC Wiking Rallye statt. Grund hierfür waren die Witterungsverhältnisse mit Schneeverwehungen und unpassierbaren Straßen.

1980 wurde die 7. ADAC Wiking Rallye erstmalig als Internationale Veranstaltung durchgeführt. Gestartet wurde am 8. März in Putlos/Weißenhäuser Strand. Auf die internationalen Teilnehmer warteten 402 Gesamtkilometer mit 23 Wertungsprüfungen von insgesamt 123 Km. Höchste Anforderungen stellte die 1. Wertungsprüfung an Fahrer, Beifahrer und Material. Es galt, auf dem Truppenübungsplatz Putlos 40 km auf Bestzeit zu absolvieren. Nicht jeder Besatzung gelang dieser "Marathon" und Ausfälle technischner Art waren schon hier zu verzeichnen. Eine Verschnaufpause war dem verbliebenen Feld nicht gegönnt; warteten doch schon die nächsten Prüfungen auf den BW-Übungsplätzen Boostedt und Langwedel. Auch hier dezimierte sich das Starterfeld.
Gab es bei der 7. Wiking Historic keinen Start in der Ladenstraße in Schleswig, so gab es doch eine Durchfahrt zu einer Zeitkontrolle vor der Stadtsparkasse. Hier mussten die Durchfahtzeiten in die Bordkarte eingetragen werden.
Bis zum Schluss dauerte der Zweikampf der Spitzenteams aus Deutschland- Rolf Petersen/Andre Bockelmann - und Flemming Laubjerk aus Dänemark mit Co. Peter Junge Beide Teams waren auf einem Ford BDA 230 PS unterwegs. Im Ziel hatte dann Rolf Petersen mit seinem Beifahrer Andre Bockelmann die Nase vorne und Rolf Petersen konnte seinen 3. Gesamtsieg bei einer Wiking Historic feiern.

Am 14. März 1981 war wiederum Putlos/Weißenhäuser Strand Startort für die 8.. ADAC Wiking Rallye. 1981 war das Jahr von Harald Holmer aus Böklund und Karin Wohlert aus Gammellund. Die Lokalmatadoren wurden auf ihrem Ford Escort Gesamtsieger der 8. ADAC Wiking Rallye. Wer das Team auf der Wertungsprüfung in Hürup sprichwörtlich hat über die Kuppe fliegen sehen, der traute seinen Augen kaum und war voller Hochachtung vor dem Mut und dem Können dieser Besatzung.

Am 13. März 1982 hieß der Startort zur 9. ADAC Wiking Rallye erneut Putlos/Weißenhäuser Strand.
Wiederum hieß es für Elke Petersen und Gerhard Kannenberg alle organisatorischen Unterlagen einzupacken und so fuhren wir beladen bis unter das Dach zum Weißenhäuser Strand. Seit der 1. Wiking Rallye war Elke verantwortlich für die Abnahme und diese Aufgabe hat sie stets mit Bravour gemeistert.
Kämpften in den Vorjahren mehrere Spitzenteams um den Sieg, so gab es 1982 eher ein ebenbürtiges Starterfeld und ein klarer Favorit war nicht auszumachen. Bevor es aber soweit war, mussten die Wertungsprüfungen Putlos I mit 31,0 km, Putlos II mit 21,2 km, Boostedt mit 13,2 km, Langwedel mit 8,7 km auf Bestzeit gefahren werden. Auch in diesem Jahr mussten einige Teilnehmer den schweren Strecken Tribut zollen und ihr Fahrzeug vorzeitig abstellen ( nur die Harten kommen in den Garten ). Auch die nachfolgernden Prüfungen in Lottorf, Silberstedt und Arup hatten es in sich. Den Sieg machten schließlich 5 Ford-Besatzungen unter sich aus. Es siegte letztlich Werner Stier aus Lübeck mit seinem Co. Ingo Huter aus Hamburg mit dem Ford Escort. Wenn andere auf der WP Arup "lupften", so fuhr Werner Stier zur Freude umd zum Erstauen der vielen Zuschauer wie auf Schienen über den kurvenreichen und schwierigen Kurs. Es war eine Freude Werner zuzuschauen. Der Gesamtsieg war der Lohn für eine ausgezeichnete Leistung

Zur 10. INTERNATIONALEN "Jubiläums" - ADAC Wiking Rallye 1983 gingen nochmals 103 Teilnehmer an den Start; darunter 20 starke dänische Teams. Bei einer Streckenlänge von 320 km konnte das Team Laubjerg/Jensen aus Dänemark alle 11 Wertungsprüfungen mit Bestzeit absolvieren und wurde Gesamtsieger dieser Rallye vor dem deutschen Team Richter/Kücken ( † ) Die Sieger steuerten einen Ford RS 1800. Neben den großen, anspruchsvollen "Jubiläums"- Pokalen durften sich die Gesamtsieger über ein Preisgeld von 1.000,00 DM freuen. Der Gruppensieger erhielt 350,00 DM und für den Klassensieg gab es 200,00 DM.

Unter der alleinigen Federführung des AC Schleswig wurden 10 äußerst erfolgreiche Rallyeveranstaltungen durchgeführt. Auch wenn die Erinnerung bei Vielen noch lebendig und vorhanden ist, so gehört die ADAC Wiking Rallye doch der Vergangenheit an.

Gesamtsieger der ADAC Wiking Rallye von 1973 bis 1983

1. ADAC Wiking Rallye 1973 Gunter Kramer
Holger Löhndorfer Hamburg
Hamburg Ford Capri RS

2. ADAC Wiking Rallye 1974 Dieter Rosenfeldt
Hans Herff Itzehoe
Itzehoe Renault R 12

3. ADAC Wiking Rallye 1975 Johannes Schnoor
Ralf Kremeskötter Neustadt
Pinneberg BMW 2002 Ti

4. ADAC Wiking Rallye 1976 Rolf Petersen
Hans-Jürgen Wachholz Osterrönfeld
Flensburg Porsche

5. ADAC Wiking Rallye 1977 Martin Maas
Klaus Binias Neustadt
Süsel BMW 2002 Alpina

6. ADAC Wiking Rallye 1978 Rolf Petersen
Andre Bockelmann Osterrönfeld
Lübeck Porasche

ADAC Wiking Rallye 1979 ausgefallen

7. ADAC Wiking Rallye 1980 Rolf Petersen
Andre Bockelmann Osterrönfeld
Lübeck Porsche

8. ADAC Wiking Rallye 1981 Harald Holmer
Karin Wohlert Böklund Ford Escort

9. ADAC Wiking Rallye 1982 Werner Stier
Ingo Huter Lübeck
Hamburg Ford Escort

10. ADAC Wiking Rallye 1983 Flemming Laubjerg
Knud Jensen DK
DK Ford RS 1800

Mit einem ehrlichen und riesigen D A N K E S C H Ö N an die Teilnehmer und an wirklich A L L E , die zum Gelingen der ADAC Wiking Rallye über die 10 Jahre tatkräftig beigetragen haben, sagt der AC Schleswig tschüss und wünscht persönlich und sportlich jedem einzelnen alles Gute.

Es folgte 1984 der Zusammenschluss der ADAC Wiking Rallye des AC Schleswig mit der Cimbern Rallye der MSF Idstedt zur gemeinsamen - ADAC Wikinger Rallye - Die Zeit für diesen Schritt war gekommen, konnten doch zwei benachbarte Ortsclubs in quasi dem selben Fahrtgebiet, den behördlichen Auflagen und den berechtigten Interessen der Anlieger auf Dauer kaum, oder gar nicht mehr gerecht werden.