Bremen 2006

Frei nach dem Motto: Wenn man eine Reise macht, so kann man auch was erzählen.

Nach Wolfsburg, Berlin  und Hamburg,  war in diesem Jahr Bremen das Fahrtziel. Wie schon  2005, fuhren wir auch dieses Mal mit der Bahn, die im Rahmen der Fahrtplanung für einige Irritationen sorgte; Platzreservierung möglich, nicht möglich oder was? Heisst es doch u.a. im Slogan der der Bahn: die Bahn macht mobil...     


Zu fast unchristlicher Zeit - 06.33 Uhr - begann unsere Clubfahrt  am Bahnhof in Schleswig. Ausser uns, waren  zu dieser Zeit erstaunlich viele Bahnreisende unterwegs. Alle unserer Reisegruppe fanden auch ohne Reservierung  den   gewünschten Platz und die Fahrt konnte beginnen. Gegen die Restmüdigkeit half der Bahnservice mit Kaffee, Brötchen und anderen Angeboten.

 

Im Hamburger Hauptbahnhof ( umsteigen )  angekommen, wurden wir von vielen Polizisten und von  noch mehr Fußballfans ( VfB Lübeck ) empfangen, die ebenfalls den Zug nach Bremen gebucht hatten, um ihre Mannschaft in Osnabrück zu unterstützen und die schon hier lauthals ihre Anfeuerungen für den VfB probten.

 

Auch hier klappte es mit den Plätzen bis auf Britta und Holger, die sich im Wagenteil der VfB-Fans platzieren mussten. Bei  reichlich Alkohol und dem Gruppen-Effekt, waren die Schlachtgesänge  schon mehr als nervig, was auch uns im "1.Stock" noch erreichte. Bei guter Stimmung  und  dem gereichten Schampus von Ernst ließ sich die Sache aber gut ertragen.

 

Ankunft Bremen Hauptbahnhof - 10.30 Uhr - wir wurden von den weiterfahrenden Fans erlöst. Abgabe des Gepäcks im Hotel Ibis Centrum und Einnahme einer kleinen Stärkung bei "Alex" auf dem Marktplatz. Zum Wetter: Ein Wochenende, das sich den Titel "weltmeisterlich" verdiente.


Mit leichter Verzögerung starteten wir alsdann zur 2-stündigen Stadtrundfahrt im eigens für uns angemieteten Bus. Als Stadtführer begleitete uns Herr Wahl, der zum einen recht sympathisch war und uns  sein umfangreiches Wissen über Bremen  nahe brachte. Der anschließende Rundgang durch Bremens Altstadt - Böttcherstraße, Schnoor, Marktplatz mit Rathaus, Roland und Stadtmusikanten sowie der Weg  entlang  der Schlachte an der Weser und die genutzten Möglichkeiten  zum Shoppen bleiben  sicherlich  unvergessliche Eindrücke.

 

Nach dem  gemeinsamen Abendessen im Friesenhof  ( nicht nur Beifall )  wurden  noch andere Anbieter von " geistigen "Getränken  aufgesucht. Den Abschluss eines wunderschönen  Tages bildete die Einkehr in unsere Hotel-Bar.

 

Nach dem guten und reichhaltigen Frühstück sorgten  die wenigen  Gehminuten zum Bahnhof  für frische Luft und ein bisschen Bewegung. Mit der S-Bahn ging es dann zum  Universum Science  Center. Hier hatten wir die Möglichkeiten, die Expedition Erde - eine Reise vom Mittelpunkt der Erde bis in die luftigen Höhen der Atmosphäre - zu besuchen, zu bestaunen und versuchen, zu verstehen. Das galt auch für die Expedition Mensch -von der Zeugung bis hin in die Welten des menschlichen Geistes. Ebenso faszinierend, unterhaltsam und schier unglaublich die Expedition Kosmos - beginnend in den  Weiten des Alls  bis hin zu den kleinsten Strukturen der Materie. Unterstützt und anschaulich dargestellt wurden die einzelnen Expeditionen  zudem dadurch, dass der Besucher selbst aktiv  Experimente durchführen  konnte. So unter anderem auf dem Erdbebensofa, wo die Gewalt eines Erdbebens an Mensch und Material nachzuempfinden war.

 

Ein wiederum herrlicher Tag schloss ab  im Rialto beim Italiener  bei tollem Eis, Cappuccino oder einem „ kühlen" Blonden".


Um 16.28 Uhr senkte der Mann mit der „ Roten Mütze" die Startflagge und ab ging es Richtung Heimat. Eine Verzehrpause im Hamburger Hauptbahnhof  und weiter ging die Reise gen Norden. Die zwischenzeitliche Durchsage einer bahntypischen Verspätung fanden gerade die Reisenden nicht besonders lustig, die ihre Anschlusszüge verpassten und z.T. lange Wartezeiten hinnehmen mussten.

Besonders betroffen hat es Heidi, weil die Fahrt von Neumünster nach Kiel  mit einer angekündigten, technischen Zwangspause von 5 bis 30 Minuten unterbrochen werden musste. Nach 50 Minuten dauerte die Zwangspause immer noch an und mit Polizeibegleitung mussten danach alle Fahrgäste den Zug mit ihrem z.T. schweren und unhandlichen Gepäck über Schotter und Gleise das „rettende Ufer" erreichen;und nochmals grüßt herr Mehdorn.! Es ist zu wünschen, dass alle Reisenden vor dem Wintereinbruch  zu Hause ankommen werden.

Wie hieß es eingangs? Wenn man eine Reise macht...

Wir alle freuen uns auf die Clubfahrt 2007 und die dann möglichen  Überraschungen ?!

Gut würden wir es vom Vorstand finden, wenn die Teilnehmerzahl so steigt, dass  die Fahrt per Bus wieder möglich werden könnte. Umsetzbare Vorschläge und Anregungen sind jederzeit willkommen. 

Eine Reise im September

Reiseerinnerungen von Heidi Johne

Endlich war es wieder soweit. Der AC-Schleswig ging wieder einmal auf große Reise. Es war die vierte AC-Schleswig-Clubreise und dieses Mal sollte es nach Bremen gehen. Bereits die Reisen nach Wolfsburg, Berlin und Hamburg hatten allesamt Spaß gemacht, deshalb entschloss ich mich, auch mit nach Bremen zu fahren. Eigentlich hätte auch Torsten gerne mitfahren wollen - aber leider hat ihn ein wichtiger Sportkommissarstermin in Sachen Kart daran gehindert. So fuhr ich also allein mit dem Rest der Truppe.

 

Die Organisation hatte für diese Reise Gerd Kannenberg übernommen. Wie wir alle wissen ist unser Gerd ein Talent in der Organisation und so war auch alles im Vorwege geplant und in einem ausführlichen Schreiben an die Reiseteilnehmer übermittelt worden.

 

Alles war also auf den Weg gebracht und nun sollte es am Samstag den 16. September 2006 losgehen.

 

Es fing damit an, dass die Schleswiger für die Bahn eine Gruppenreise von Schleswig über Neumünster nach Hamburg und dann weiter nach Bremen - im Regionalexpress !! - gebucht hatten. Das Wort Express allein war schon ein Trugschluss in sich. Die Bahn hielt an jeder Milchkanne. Egal. Auf jeden Fall musste ich - aus Kiel kommend - von
Kiel nach Neumünster reisen, um in den Zug der Schleswiger umzusteigen. Auch ich hatte mir im Vorwege die Fahrplanauskünfte aus dem Netz gezogen und wusste also, welchen Zug ich nehmen musste, um rechtzeitig in Neumünster anzukommen. Ich hatte Zeit genug zum Umsteigen.  Ich wusste aber auch, dass ich auf der Rückfahrt zum Umsteigen gerade mal 4 Minuten hatte, um in den nächsten Regionalexpress!! - man beachte Express - nach Kiel umsteigen zu können.  So dachte ich mir, schlau wie ich bin, kaufst du dir gleich bei der Abfahrt eine Hin- und Rückfahrkarte am Automaten - so hast du deine Fahrkarte auch schon für die Rückfahrt. Pustekuchen. Der Automat sagte mir, dass im Verbundnetz - Nahverkehr - nur eine einfache Fahrt, also keine Hin-und Rückfahrt zu kaufen geht. Nun denn, kaufte ich eine Hinfahrt nach Neumünster. Wir werden schon sehen - in Hamburg werde ich sicherlich eine Fahrtkarte kaufen können.

 

Ich fuhr nun also nach Neumünster. Die Fahrt war ruhig und ich traf auf dem Bahnsteig das erste bekannte Gesicht - unseren Erwin Klaja. Endlich war ich nicht mehr allein. Der Zug aus Schleswig kam pünktlich und wir wurden auch schon von den Bremenreisenden des AC-Schleswig erwartet. Es war - wie immer - eine herzliche Begrüßung. Kaum waren wir „an Bord" kramte Maren auch schon die Flasche Oldesloer mit einer giftigen grünen ( ich meinte ja blauen, aber alle anderen meinten grünen ) Mischung aus dem Rucksack und jeder bekam einen Begrüßungsschluck. Danach folgten Prosecco, Rotkäppchen, Bier etc. Die Fahrt nach Hamburg war kurz. In Hamburg tobte das Leben und wir nutzten die Stunde Aufenthalt zur Einkehr und Stärkung - die Einen mit Cappuccino und Kaffee, die anderen mit Bier - es war gerade mal ½ 9 !!!

 

Schon bald ging es weiter in den Regionalexpress nach Bremen. Hiermit fuhren auch die Fans vom VfL Lübeck - zum Auswärtsspiel gegen Osnabrück. Welch' eine Freude. Peter Schildt beschloss für uns alle zusammen - die nächste Fahrt geht in eine Stadt, wo es keine Bundesliga gibt !!! Es hielt sich aber alles in Grenzen. Auf unserer Etage fuhren scheinbar die „Ruhigeren" - eine Etage tiefer wurde bereits lautstark gesungen. Nur gut, dass wir die Lübecker zu Anfang ihrer Reise trafen. Je länger die Fahrt dauerte und je mehr Bier intus war, wurden auch „unsere" Mitfahrer merklich „lustiger". Aber auch diese Fahrt ging vorbei und wir kamen glücklich in Bremen - Hauptbahnhof an. Bisschen kleiner als Hamburg - aber immerhin größer und belebter als Kiel oder gar Schleswig.

 

Nach einer kurzen Phase der Orientierung machten wir uns auf den Weg zu Fuß zum Hotel - etwa 500 m Fußweg war ja zu schaffen. Wir konnten unser Gepäck im Hotel abstellen und begaben uns nach Studium des Stadtplanes direkt in die Altstadt, wo jeder sich stärken konnte mit Ofenkartoffel, Fish and chips oder Überbackenem - Vorsicht heiß !!! Es war Zeit genug, um rechtzeitig zur geplanten Stadtrundfahrt - ab 13.00 Uhr vom Hotel - zurück zu sein. Alle waren wir rechtzeitig - nur der Bus nicht. Der Bus kam nicht. Und der Bus kam nicht. Herr Wahl - unser Reiseführer -  von der Tourismuszentrale versuchte über verschiedene Wege das Problem zu lösen. Leider ohne Erfolg. Gerd war kurz vorm Platzen. Nur weil Maren keine Lust hatte zu laufen nahmen wir das Angebot des Guides nicht an, statt der Stadtrundfahrt einen Stadtrundgang zu machen. So warteten wir noch eine Weile - 15 Minuten ist Bremer Recht - bis ¼ nach 1 und schon war der Bus zur Stelle. Und was für ein Bus - das neueste Modell - mit einer modernen Klimaanlage, gut funktionierender Lautsprecheranlage und allem Komfort und Zurück und einem gut ausgebildeten Fahrer. Schön wär's gewesen. Leider war die Lüftung zwar an, produzierte aber keine kalte Luft. Dafür produzierte das Mikro wunderbare Pfeifgeräusche durch irgendwelche Rückkopplungen. Der Fahrer war die Krönung schlechthin. Sicherlich hatte er seinen Führerschein in einer Lotterie auf dem Bremer Freimarkt gewonnen. Gut das wir keine Schwangeren oder Herzkranke dabei hatten. Das hätte daneben gehen können. Wir wurden alle ziemlich durchgerüttelt und es war ganz sicher, dass der Fahrer die verspätete Viertelstunde wieder aufholen wollte oder musste - der nächste Termin saß ihm im Nacken. Nett dagegen war unser Reiseführer - ein junger Student - der frei nach Spitzweg's armen Poeten gekleidet war. Wir hatte 27 Grad im Schatten und er trug Baumwollhemd mit dickem Wollschal und zugeknöpftem Wollblazer - während der gesamten Fahrt und dem nachfolgenden kurzen Stadtrundgang in der Innenstadt rund um das Weltkulturerbe - Roland und Rathaus von Bremen. Wir erfuhren hier noch einiges Wissenswertes, auch über die Bremer Stadtmusikanten und das großartige Weinlager der Stadt Bremen, die ja bekanntlich Pleite ist und kein Geld hat???

 

Nach 2 Stunden Informationen über Bremen mit seinen Stadtteilen wie Schwachhausen        ( angeblich beste Lage - hört sich eher nach LKH an ) und Ostertor-Viertel, Universtität und Altstadt wurdne wir „geheilt" entlassen und uns selbst überlassen. Manch einer trank noch einen Kaffee auf dem wunderschönen Marktplatz neben dem Roland, andere vertieften sich vielleicht auch in eine Runde schoppen oder machten weiter in Kultur. Was auch immer - alles passierte bei sommerlichen Höchsttemperaturen - im September. Als ich dann nach meiner Kaffeepause und einer kurzen Shopping-Einlage um ½ 5 im Hotel angekommen war, wurde ich schon sehnlichst erwartet. Die Zimmer konnten nur bezogen werden, wenn alle Insassen unterschrieben hatten - und Heidi fehlte noch. Zwar sollte ich das Zimmer mit Makowski teilen, das hat sich dann aber doch erledigt, weil Maren doch lieber bei Horst als bei Heidi schlafen wollte - was man verstehen kann.

 

Am Abend war ein gemeinsames Essen im Friesenhof geplant. Rechtzeitig zum verabredeten Zeitpunkt kamen alle AC'ler frisch geduscht und gestriegelt und gebügelt in der Lobby an und ab Marsch ging es wieder in die Altstadt - nach Recherche von Peter Schildt auch zu Fuß, weil der Weg zum und vom Bus war etwa gleich lang wie der direkte Fußweg - sinnig. Und immer noch war es ein laues Lüftchen. Davon konnten wir uns auch alle in dem Restaurant überzeugen. Irgendwie musste das Restaurant mit dem Busunternehmen zusammengehören - jedenfalls die Lüftung ging genauso wenig wie heute Nachmittag im Bus. Es war schweineheiß und nach dem Essen strömten alle ziemlich schnell aus den Räumen. Abkühlung fanden wir dann alle am Wasser - auf einem netten Dampfer an der Schlachte auf der Weser. Hier gab es dann schon wieder Bier und Wein - das war fein. Es wäre ja alles gut gewesen, wenn Uli nicht unbedingt das Schiff hätte zum Wanken bringen wollen. Er fand aber niemanden, der ihm bei seiner Aktion helfen wollte  und so fiel das aus.  Den Absacker nahmen wir dann an der Hotelbar. Einige, - insbesondere die beiden einsamen Herren Erwin und Ernst - hielten es bis nach 1 Uhr aus. Es war denn wohl doch nicht so interessant zusammen im Doppelzimmer. 

 

Am Sonntag gab es ein reichhaltiges Frühstücksbüfett. Alle waren gut d'rauf - nur Gerd hatte sich irgendwie mit seinen Augen erzürnt - die sahen eher matschig aus. Aber Dank der guten Pflege seiner Frau Birgit verging auch dies, so dass wir uns bald auf den Weg zum Bahnhof machen konnten, wo wir unser Gepäck in Schließfächern deponierten und wir uns danach mit der Linie 6 in Richtung Universität zum Science Center Bremen aufmachten. Vorher wollte Gerd wieder einmal mit seiner Suuuuper -Digi - Cam ein Gruppenfoto von der AC-Gruppe schießen. Dazu begab er sich auf die andere Seite des Straßenbahnsteiges hinter die gegenüberliegenden Schienen. Als Gerd alle people endlich in Position gerückt hatte setzte er an zum Foto - da - wie aus heiterem Himmel fährt ihm eine Straßenbahn vor die Nase. Nach schallendem Gelächter und erneutem Sammeln war aber auch dieses Bild im Kasten. 

 

Auf dem Universitätsgelände angekommen machten wir noch ein überaus interessanten Ausflug über das Gelände bis wir das Science Center erreichten. Auch heute hatten wir mit Sicherheit die 25 Grad Marke überschritten und wir begaben uns nun in den dunklen Bauch eines Fisches.  Aber bestellt ist bestellt und - wir waren ja nicht zum Spaß unterwegs. Ein bisschen Bildung soll wohl schon dabei sein bei dieser ansonsten Lustreise. Also gingen wir eigentlich alle mit dem Gedanken in diese Ausstellung - nach einer Stunde sind wir wieder d'raußen und sitzen nebenan im Straßencafé bei Kaffee und Eis oder sonst was. Aber - weit gefehlt. Die Ausstellung zog alle in ihren Bann. Wir konnten uns nun auf eine Expedition in Sachen Erde, Kosmos und Mensch begeben und es gab Erstaunliches zu entdecken.  Ich war dann zusammen mit Maren, Horst und Ernst um ½ 3 durch mit der Ausstellung - dann reichte es auch. Einige von uns waren schon früher dem Ausgang zugestrebt und so nahmen wir an, die letzten zu sein und gingen direkt zur ( nahegelegenen !! ) Straßenbahn-station der Linie 6, die uns wieder zum Hauptbahnhof zurück bringen sollte. Aber bevor dies gelingen konnte mussten wir noch ein Hürde überwinden - Fahrkartenkauf am Automaten in der Bahn. Heidi schaffte es als erstes eine Karte zu erhalten. Inzwischen waren wir 2 Stationen weiter und etwa 7-12 andere Fahrgäste wollten auch Karten am Automaten. Freundlich, wie die Schleswiger sind, wurden die neuen Gäste vorgelassen. Dann endlich auch wurde Horst mit 2 Karten glücklich gemacht. Nun fehlte nur noch Ernst. Sollte er es wirklich wagen, sich an den komplizierten Automaten zu wagen. Nun man ran Ernst - das schaffst Du. Mit ein bisschen Hilfe von uns hatte dann auch Ernst endlich seine ersehnte Fahrkarte - wir waren an der Haltestelle Hauptbahnhof angekommen.

 

Es war noch Zeit, bis der Zug fuhr, so dass wir - wie die anderen auch, wie wir später erfuhren - noch eine kleine Einkehr in einem Straßencafé machten und uns Cappuccino, Eis und Wein schmecken ließen. Danach wurden wir bereits sehnsüchtig bei den Schließfächern und auf dem Bahnsteig für die Abfahrt nach Hamburg erwartet. Der Zug - wieder ein Doppeldecker - kam pünktlich - er wurde erst in Bremen eingesetzt und war leer, so dass wir gute Plätze fanden. Kaum losgefahren wurden wir jedoch jäh aus unseren Träumen geholt. Eine Musikliebhaberin spielte uns ein nicht bestelltes Ständchen auf einem nicht definierbaren Instrument mit einer nicht definierbaren Melodie. Horst wünschte sich die VfL-Lübeck-Fans von der Hinreise zurück. Andere ließen alles über sich ergehen - bis es endlich vorbei war. Was das war weiß keiner. Als dann die Ruhe eingekehrt war konnten also alle sich getrost ihrer Entspannung hingeben. Dösen, Lesen, Sudoku, Reisegeschichten erzählen oder einfach nur seinen Gedanken nachhängen und aus dem Fenster schauen. und die Landschaft an sich vorbei ziehen lassen. Das war meine Beschäftigung.

 

Was ging mir durch den Kopf. Ach ja - ich hatte ja noch gar keine Fahrkarte von Neumünster nach Kiel. Die hole ich mir in Hamburg am Bahnhof, dachte ich. Wir hatten ja wieder eine Stunde Aufenthalt in Hamburg. Dachte ich - klappte aber leider nicht. Nachdem sich die Reisegesellschaft in Hamburg angekommen bei Gosch eingerichtet hatte, zog ich los, einen Fahrkartenautomaten zu suchen. Dort angekommen waren doch einige andere Fahrgäste auch auf die Idee gekommen gerade jetzt Fahrkarten zu kaufen. So wartete ich, bis ich an der Reihe war. Nach Eingabe aller meiner Reisedaten - nach ca. 5 Minuten Konzentration - teilte mir der Automat mit, das Fahrkarten im Verbundnetz - was immer das heißt - nur am Abfahrbahn-hof kaufbau sind. Na tolle Wurst. So hatte ich immer noch nicht meine ersehnte Fahrkarte. In diesem Moment beschloss ich, in Neumünster umzusteigen - ohne Karte - und dem Schaffner alles zu berichten und dann eine Fahrkarte im Zug zu kaufen. So konnte ich dann abschließend doch auch noch bei Gosch ein Fischbrötchen und ein Glas Wein genießen.

 

Auf zur letzten Etappe. Der Bahnhof von Hamburg war brechend voll. Kaum zu glauben, dass die Bahn so schlechte Zahlen schreibt. Hier war die Hölle los. Aber trotzdem waren wir dann alle zusammen im Zug - wenn auch etwas verstreut - aber glücklich, den Heimweg antreten zu können. Die Schleswiger konnten ja durchfahren bis Schleswig. Ich armes Hascherl musste ja nun noch in Neumünster umsteigen - ohne Fahrkarte. Der Zug setzte sich in Bewegung - leider jedoch gute 5-6 Minuten zu spät. Wie wir später hörten, weil noch Gäste aus einem verspäteten ICE mitgenommen werden mussten. Nord-Ostseebahn-Umstieg in Neumünster adé - ich hatte 4 Minuten - die waren gerade verstrichen. Na gut, nehme ich den später fahrenden ICE um 19.52 Uhr. Aber sollte das wirklich klappen? In Elmshorn durften wir dann noch auf ein Abstellgleis ausweichen, um den ICE nach Aarhus vorbei zu lassen. Wieder 5 Minuten Zeitverlust.  Ich wurde schon ganz nervös und stand viel zu früh auf, um mich auf den Weg zur Ausgangstür zu machen. Mit mir zusammen in Neumünster stieg Erwin aus. Der war fast zuhause. Es war 19.50 Uhr - also hatte ich noch 2 Minuten für den ICE. Die Schleswiger verabschiedeten mich mit Winken und Rufen. Um 19.52 Uhr traf der ICE nach Kiel pünktlich ein. Puh - um 20.12 Uhr sollte der Zug in Kiel ankommen. Das sind ja mal gerade 20 Minuten. Die sollte ich doch auch noch schaffen. Aber - was war das??  Um 20.08 Uhr hielt der Zug plötzlich ohne erkennbaren Grund. Es war inzwischen stockfinster draußen. Die Durchsage teilte uns Fahrgästen mit, dass das Stellwerk in Kiel ausgefallen sei. Es könne sich um 5 Minuten oder aber 30 Minuten Verzögerung handeln. Wir waren kurz vorm Ziel. Nach 45 Minuten und 3 unterschiedlichen weiteren Durchsagen erhielten wir den Bescheid, dass dieser Zug nicht weiterfahren kann. Alles aussteigen. Vorsicht an der Bahnsteigkante - schön wär's gewesen, wenn denn da eine Bahnsteigkante gewesen wäre. Es war nicht einmal ein Bahnsteig da. Mitten in der Wallachei durften wir dann mit Hilfe der Bundespolizei aus den Zug aussteigen, über Bahnschienen und Geröll bis zur nächsten Straße marschieren. Jetzt erst einmal orientieren. Wo sind wir hier. Wir waren in der Kai-Straße - ganz in der Nähe des Bahnhofs. Die Polizisten wollten Taxen rufen. Ich hatte aber keine Lust mir da die Beine in den Bauch zu stehen. Wie gut ich kannte mich aus. So marschierte ich unerschrocken mit meinem Supertrolli ca. 500 Meter direkt zum Bahnhofsvorplatz, wo ich in ein Taxi stieg, dass mich glücklich kurz vor 10.00 Uhr zuhause abgeliefert hat.

 

Es war eine unterhaltsame Reise. Immer wieder gerne.

Und die letzte Etappe sogar als „Schwarzfahrer" - ohne Fahrkarte !!!

bremen2006
Die AC-Reisegruppe vor ihrem Hotel: Ibis-Centrum in Bremen